Zwischen Hügeln und Tälern ragt schon aus weiter Ferne die Silhouette San Gimignanos empor. Die Stadt zählt zu den beliebtesten toskanischen Ausflugszielen und wird aufgrund ihrer berühmten Türme auch als „Manhattan der Toskana“ bezeichnet. Hinzu kommt die am besten erhaltene mittelalterliche Altstadt der Toskana. Einen Aufenthalt in San Gimignano vergisst man so schnell nicht!

San Gimignano – eine einzigartige Stadt


Ursprünglich wurde das Gebiet um San Gimignano bereits um 200 v. Chr. von den Etruskern besiedelt. Die eigentliche Stadt entstand allerdings erst im 10. Jahrhundert. Mitentscheidend für die schiere Existenz von San Gimignano war in dieser Zeit die Pilgerroute Via Francigena, über die  Händler und Pilger nach Rom gelangten.


Als die kleine Kommune in der heutigen Provinz von Siena nach der Pest im 14. Jahrhundert an Florenz fiel, standen viele der charakteristischen Türme schon längst. Zu Glanzzeiten thronten hier tatsächlich 72, von denen heute „nur“ noch 15 erhalten sind, was den Blick auf die Stadt jedoch nicht minder beeindruckend macht.

Hintergrund dieser besonderen Art der Architektur sind die Versuche der herrschenden Patrizierfamilien gewesen, sich in Prestige und Höhe der Türme gegenseitig zu übertrumpfen. Auch wenn im Inneren ein luxuriöses Leben nicht möglich war, dienten sie einerseits als Statussymbol, andererseits aber ebenso als Schutz vor Angriffen rivalisierender Familien. Denn wie es damals so üblich war, kam es im Prinzip ständig zu Machtkämpfen untereinander.

Beim Bau der Türme musste jedoch eines beachtet werden: Per Gesetz wurde für Privatleute festgeschrieben, keinen Turm bauen zu dürfen, der größer ist als der Rathausturm Torre Grossa. An diese Verordnung wurde sich gehalten und so bildet dieser bis zum heutigen Tage den höchsten Punkt der Stadt!

Wenn man durch San Gimignano schlendert, wird schnell auffallen, dass es eine große Fülle an Feinkost-, Souvenir-, Keramikläden und vielen mehr gibt, in denen man sich Stunden aufhalten könnte. Insbesondere in der Via San Giovanni sowie der Via San Matteo reihen sich die Geschäfte dicht an dicht aneinander.

Einen Rundgang durch die Stadt beginnt man am besten an der Porta San Giovanni. Das Tor durchläuft man aber nicht gleich, sondern begibt sich rechts, außerhalb der Stadtmauer, auf den Spaziergang Passeggiata delle mura. Die kleine Wanderung im Schatten der Türme führt mit der Porta delle Fonti, Porta S. Jacopo und der Porta San Matteo gleich an mehreren Stadttoren vorbei.


Zudem bekommt man eine Kostprobe von der wunderbaren Landschaft. An der Porta delle Fonti angekommen, bietet sich eine kurze Besichtigung der Fonti medievali an. Die Arkaden und die dazugehörigen Wasserbecken, in denen Fische schwimmen, dienten einst als Waschplatz und zur Wasserversorgung. Sie sind ebenfalls ein gut erhaltenes Zeugnis aus dem 14. Jahrhundert.

Sehenswürdigkeiten in San Gimignano


San Gimignano Karte


Betritt man die Stadt nun durch die Porta San Matteo, ist die erste Sehenswürdigkeit innerhalb der Stadtmauern nur einen Katzensprung weit entfernt:

Chiesa di Sant’Agostino


Das den Norden der Festungsstadt beherrschende Augustinerkloster stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten in San Gimignano. Von außen gibt es ein eindrucksvolles Bild ab, das Innere mag für den ein oder anderen vielleicht etwas schmucklos und monoton erscheinen.

Dennoch ist in der einschiffigen Kirche ein bewundernswerter Bilderzyklus von Benozzo Gozzoli zu betrachten. In 17 Szenen wird die Lebensgeschichte des heiligen Augustinus illustriert. Zusätzlich lohnt es sich noch, einen Blick in den doppelstöckigen Kreuzgang zu werfen, der mit einem hübschen Garten ausgestattet ist.

Der Dom Collegiata di Santa Maria Assunta


Nach Besichtigung des Klosters kann man sich nun auf den Weg ins Zentrum der Altstadt begeben. Unweigerlich erreicht man irgendwann die großartige Gebäudekulisse auf der Piazza del Duomo. Ein bedeutendes Bauwerk auf dem Platz ist natürlich der Dom selber. Im 12. Jahrhundert im romanischen Stil erbaut, ist er ähnlich wie das Augustinerkloster außen eher schlicht gehalten. Markant sind vor allem die Treppenstufen, die zu ihm hinaufführen.

Piazza del Duomo mit dem Dom und dem Torre Grossa

Der erste Eindruck der Kirche ändert sich mit Betreten des Innenraums jedoch schlagartig. Dieser ist nämlich so weit das Auge reicht mit herrlichen Fresken verziert, auch der Altar ist sehr beeindruckend! Dargestellt werden unter anderem das Jüngste Gericht sowie Szenen aus dem Alten und Neuen Testament im linken beziehungsweise rechten Seitenschiff.

Der Dom beherbergt mit der Santa Fina sogar eine kleine Kapelle, die das einzigartige Ambiente des Gotteshauses komplettiert.
Zum besseren Verständnis der zahlreichen Gemälde, macht es Sinn, sich einen Guide auszuleihen, welcher in verschiedenen Sprachen erhältlich ist.

Palazzo Comunale


Direkt neben dem Duomo befindet sich der Bürgermeisterpalast Palazzo Comunale. Er wurde um 1300 fertiggestellt und ist neben dem Dom das meistbesuchte Gebäude San Gimignanos. Beim Eintritt fällt bereits der schöne Innenhof mit dem überdachten Treppenaufgang und seinen Wandfresken auf, die die Wappen der einstigen Amtsträger der Kommune zeigen.

Innerhalb des Palazzos findet man eine Vielzahl von Sälen und Kammern mit Ausstellungsstücken und Gemälden, darunter den Sala di Dante. Die Pinacoteca Civica beherbergt Meisterwerke der florentinischen und sienesischen Schule. Das Ticket für den Palazzo Comunale beinhaltet außerdem noch das archäologische Museum, die Spezieria di Santa Fina und die Galerie für moderne Kunst.

Der Ausblick vom Torre Grossa

Hauptattraktion ist aber ohne Zweifel der Torre Grossa. Der Turm wurde 1311 errichtet und ist mit 54 Metern der höchste der Stadt und die bekannteste Sehenswürdigkeit in San Gimignano. Der Aufstieg hat es durchaus in sich, am Ende wird man jedoch mit einer phänomenalen Aussicht belohnt. Der Blick auf San Gimignano inklusive der 14 anderen Geschlechtertürme mit der wunderschönen Landschaft im Hintergrund ist einmalig, man sollte sich ihn auf gar keinen Fall entgehen lassen!

Wem der Aufstieg zum Torre Grossa zu hoch oder zu teuer erscheint, kann auch den gegenüberliegenden Turm für ein paar Euro weniger erklimmen und den Ausblick von dort genießen. Tickets gibt es in der Touristeninfo des Rathauses.

Piazza della Cisterna


Direkt angeschlossen an die Piazza del Duomo ist die Piazza della Cisterna. Der dreieckige Platz mit der 1273 erbauten Zisterne ist quasi der zweite Teil des Zentrums der Stadt und verkörpert mittelalterliche Atmosphäre in Reinkultur.
Umgeben wird er von den mächtigen Fassaden der früheren Tavernen und Geschäfte sowie vom Torre del Diavolo. In seinem Schatten haben sich einige Restaurants angesiedelt, in denen man gerade abends sehr gut essen kann.

Manchmal sorgen auch Straßenmusiker mit reizenden Harfenklängen für zusätzliche Unterhaltung. Einen Pflichtbesuch für jeden stellt die Gelateria Dondoli* dar, in der es wohl mit das beste Eis in ganz Italien gibt!

Rocca di Montestaffoli


Die alte Burgruine im Westen der Stadt ist mittlerweile von einem idyllischen Park umgeben. Nach einer langen Stadtbesichtigung ist sie ein romantischer Rückzugsort, um die Umgebung und das toskanische Klima genießen zu können. Auf dem Turm der Festung hat man einmal mehr einen außergewöhnlichen Blick über San Gimignano und das völlig kostenlos!

Museen in San Gimignano


Neben den bereits erwähnten im Palazzo Comunale besitzt San Gimignano für seine Verhältnisse eine Menge Museen. Gleich nach Eintritt durch die Porta San Giovanni kommt man zum Museo della Tortura.
Das Foltermuseum vermittelt mit einer Sammlung von zahlreichen Folter- und Hinrichtungsinstrumenten einen Eindruck, wie brutal es damals zuging. Allerdings wird auch ein Einblick in die Gegenwart gewährt, indem zeitgenössische amerikanische Exekutionsmethoden gezeigt werden.
Wen die Grausamkeiten noch mehr interessieren, kann zusätzlich das Museo della Pena di Morte aufsuchen.

Etwas positiver stimmt einen dafür wieder  das Museo San Gimignano 1300. Ein Highlight des Museums ist eine fantastische Reproduktion der Stadt: Einigen Künstlern gelang es, San Gimignano aus dem 13. Jahrhundert im Maßstab 1:100 mit unglaublicher Detailtreue aus Ton nachzubilden! Weinliebhaber hingegen werden sicher Gefallen am Museo del Vino in der Rocca di Montestaffoli finden.

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Kulinarik in San Gimignano


Wie schon angedeutet, lohnt es sich in San Gimignano auf alle Fälle, einfach durch die vielen kleinen Straßen und Gassen zu schlendern und die Läden zu erkunden. In diesen werden unzählige regionale, toskanische Produkte angeboten und man kann Delikatessen entdecken, die man so vielleicht noch gar nicht kennt.

Eine Spezialität aus der San Gimignano selbst ist der Vernaccia. Der leicht bittere, trockene Weißwein wird direkt auf den Hügeln in der Umgebung angebaut. Bereits bedeutende Persönlichkeiten aus der Historie wie Papst Martin IV. oder Michelangelo schätzten den Wein überaus. Erhältlich ist er im Prinzip an jeder Ecke der Stadt, man kann ihn aber beispielsweise auch direkt vom Weingut Azienda Agricola Il Paradiso ein paar Kilometer weiter nördlich kaufen.


Nun noch zu einigen empfehlenswerten Lokalen. Wo es das beste Eis der Stadt gibt, wurde beim Piazza della Cisterna ja schon beschrieben. Daneben gibt es noch mehrere tolle Restaurants, mit als erstes zu nennen ist dabei das Le Vecchie Mura*. Bei gutem Wetter geht hier nichts über einen Platz draußen auf der Terrasse mit direktem Blick auf die toskanische Landschaft. Aber auch drinnen ist das Ristorante sehr schön eingerichtet und man kann gut essen.

Sehr lecker ist es zudem im Keller des Peruca’*, das sich in einem der ältesten Gebäude von San Gimignano befindet. Wer dem Trubel innerhalb der Stadtmauern kurzerhand entfliehen möchte, kann im Il Trovatore* vorbeischauen und sich ganz klassisch eine gute Pizza bestellen.

Anreise nach San Gimignano


Jährlich reisen Tausende deutsche Touristen in die Toskana mit dem Auto an, San Gimignano wird aber wohl nicht das alleinige Hauptziel des Urlaubs bleiben. Einen Besuch in der Stadt der Türme kann man zum Beispiel super mit einem Aufenthalt in Florenz verbinden, was bei einer Anreise mit flixbus.de* oder der Deutschen Bahn* ohnehin meist die erste Anlaufstelle ist.
Oft geht die Fahrt dann weiter nach Poggibonsi, dort nimmt man dann den Autobus nach San Gimignano.

Natürlich ist die Anreise auch immer per Flug möglich, der Florentiner Flughafen wird aus einigen deutschen Städten angeflogen, alternativ kann man Pisa als Ankunftsort wählen. Wer mit Zug und Bus nicht mobil genug ist, dem steht außerdem die Tür nach einem günstigen Mietwagen offen.

Einmal mit dem Auto in San Gimignano angekommen, verursacht das Suchen nach Parkmöglichkeiten nicht selten mehr Probleme als erwünscht, da die Parkplätze direkt an der Stadtmauer häufig schon besetzt sind.
Am besten ist es, einfach ein Stück weiter nach Süden zum Giubileo Parkplatz zu fahren. Dieser ist der kostengünstigste und man kann sich von dort aus den antiken Stadtmauern in aller Ruhe nähern.

Urlaubsliebhaber-Fazit

Auch wenn sie mittlerweile kein Geheimtipp mehr ist, bleibt San Gimignano eine wunderschöne kleine, mittelalterliche Stadt, die aufgrund ihrer malerischen Lage und der spannenden Architektur zu begeistern weiß. Ein Glück, dass für den Abriss der Türme, die im Laufe der Zeit als unzeitgemäß betrachtet wurden, damals die nötigen Geldmittel fehlten!

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