Russland ist ein großes, großes Land, in der Tat das größte der Welt. Mit einer Fläche von rund 17,08 Millionen Quadratkilometern besitzt es ungeheure Dimensionen und ist zum Beispiel größer als der Arktische Ozean. Bei diesen Größenverhältnissen kann man sich fast gar nicht vorstellen, dass es eine durchgängige Strecke gibt, die Osten und Westen miteinander verbindet. Doch genau das gelang zwischen 1891 und 1916 mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn.

Wissenswertes zur Transsibirischen Eisenbahn


Die Entscheidung über den Bau der Transsib erfolgte in erster Linie aus wirtschaftlichen Gründen. Man plante mit einer Direktverbindung nach Asien unter anderem einen stärkeren Handel mit China ein, was auch anderen europäischen Staaten zugutekommen sollte. Ohnehin wurde es notwendig, auf modernere Transportmittel zurückgreifen zu können, um Lebensmittel und Rohstoffe aus Sibirien vor allem in den europäischen Teil Russlands schneller transportieren zu können.

Das Ergebnis war ein Erfolg: Bereits vor der Fertigstellung gab es die ersten Investitionen aus dem Ausland in Handel, Bergbau oder Fabriken, die die sibirische Wirtschaft ankurbelten. Nicht zuletzt erkennbar wurde dies durch die Eröffnung von Konsulaten und den generellen Bevölkerungszuwachs in Sibirien und Fernost um mehrere Millionen Menschen.

Zehntausende Arbeiter waren gleichzeitig am Bau der Eisenbahn beschäftigt, die sich nun unglaubliche 9288 Kilometer von Moskau bis nach Wladiwostok am Japanischen Meer erstreckt. Angesichts der extremen klimatischen Bedingungen und den unterschiedlichen, teils eigentlich undurchdringlichen Vegetationszonen, ist die verhältnismäßig kurze Bauzeit außergewöhnlich. Die Strecke umfasst mit Europa und Asien zwei Kontinente, fast 100 Städte und überquert 16 große Flüsse. Mehrere mächtige Brücken wie die von Krasnojarsk über den Jenissei entstanden und leisteten einen wesentlichen Anteil an der Entwicklung der Städte. Insgesamt besitzt die Transsibirische Eisenbahn 485 Brücken.

Der “magische” Baikalsee

Auf der mehrtägigen Reise passiert man neben Städten wie Jekaterinburg, Omsk oder Nowosibirsk die endlosen Weiten der Taiga sowie einen 207 Kilometer langen Abschnitt direkt am Baikalsee. Die Fahrt am tiefsten und ältesten Süßwassersee der Erde stellt einen der Höhepunkte der Transsib dar. Er ist eindrucksvolle 673 Kilometer lang und wurde von der UNESCO auch zum Weltnaturerbe erklärt.
Übrigens existieren auf der längsten Eisenbahnstrecke der Welt mehrere Abzweigungen, beispielsweise auf die Transmongolische Linie. Diese führt über die mongolische Hauptstadt Ulan Bator bis nach Peking!

Die wichtigsten Stationen der transsibirischen Eisenbahn


Tipps zur Transsibirischen Eisenbahn


An dieser Stelle vielen Dank an Jonathan, der im Sommer 2015 auf der Transsibirischen Eisenbahn mit Zug Nr. 2 „Rossija“ von Moskau nach Wladiwostok gefahren ist.

Vorbereitung


Man benötigt zur Einreise in die Russische Föderation ein Visum, das nicht ganz leicht zu bekommen ist. Start der Transsib ist in Moskau. Um dorthin zu gelangen, kann man als Bahnliebhaber auch schon den Zug nehmen – man steigt beispielsweise in Berlin in den Zug Paris-Moskau ein: das ist ein russischer Schlafwagenzug, war in meinem Falle sehr modern und komfortabel.

Visum für Russland beantragen*

Tickets für die Regelzüge, die auf der Transsib verkehren, erhält man wie jede andere Zugfahrkarte bei der russischen Bahngesellschaft РЖД (RZhD). Man kann sie problemlos auf deren Internetseite buchen (auf Russisch oder Englisch). Die Tickets sind ab ca. 2 Monate vor Abfahrt erhältlich; man sollte sich mit dem Buchen beeilen, sonst kann der Wunschplatz ausverkauft sein.

Tickets buchen

Die beliebtesten Routen sind Moskau-Peking und Moskau-Wladiwostok. Diese fahren in Moskau am Jaroslawler Bahnhof ab. Es gibt in diesen Langstreckenzügen drei Klassen: offener Großraumwagen mit Liegen, 2. Klasse mit Vierbett-Abteil und 1. Klasse mit Zweibett-Abteil. Zug Nr. 2 „Россия“ (Rossija), Moskau-Wladiwostok, kostet im Vierbettabteil 300 € pro Person.

Die Endstation Wladiwostok

Züge nach Wladiwostok verkehren ca. alle zwei Tage, davon Zug Nr. 2 „Rossija“ mittwochs, freitags und sonntags. Fährt man in einem Ritt durch, ist man ca. 6 Tage unterwegs, mit ca. 20 min Halt auf den größeren Bahnhöfen.

Interieur bei Vierbettabteil


Man hat im Waggon einen schmalen Seitengang, daneben befinden sich die Abteile mit Schiebetür.
Diese kann von innen verriegelt werden, innen an der Tür befindet sich ein Spiegel. Quer gegenüber zwei Sitzbänke für je drei Personen, am Fenster ein kleines Tischchen, darunter eine Steckdose. Unter den Bänken kann das Gepäck verstaut werden.

Nachts werden die Rückenlehnen der Bänke heruntergeklappt und ergeben zwei Betten; Bettzeug und Bettwäsche ist vorhanden, weiß und sauber. Darüber befinden sich zwei weitere Klappbetten an der Abteilwand, erreichbar über faltbare Mini-Leitern nahe der Abteiltür. Die oberen Betten sind mit schmalen Geländern versehen, außerdem gibt es dort weitere Möglichkeiten Gepäck zu verstauen. An allen Betten gibt es Leselampen. Ein kleines Handtuch wird gestellt.

Übrigens hat man beim Schlafen mit turbulenterer Fahrdynamik zu tun als in Deutschland. Die Gleislage ist in Russland wesentlich schlechter, also rumpelt es während der Fahrt entsprechend.

Über der Tür hängt ein Fernseher, durch den wenigstens russische Sender verfügbar sind.

Pro Waggon gibt es ein Dienstabteil mit zwei Schaffnern, die abwechselnd Dienst haben (es ist also immer einer im Dienst), davor ein Samowar, an dem man jederzeit heißes Wasser erhält. Gläser kann man beim Personal leihen. Weiterhin verkaufen die Schaffner (überteuert) 5-Minuten-Terrinen und dergleichen.

Am anderen Waggonende gibt es Mülleimer sowie zwei Toiletten. Duschen gibt es keine, aber angeblich schließt mancher einen Gummischlauch an den Wasserhahn der Toilette an und duscht damit. Waschen ist in jedem Falle möglich, wenn auch unter beengten Platzverhältnissen.

Im Zug ist ein Speisewagen vorhanden.

Verpflegung im Transsib 


Man sollte sich im Vorfeld durchaus Gedanken zur Verpflegung machen. Kühlware kann man wohl kaum mitnehmen; die einheimischen Fahrgäste verlassen sich eher auf 5-Minuten-Terrinen und Snacks. Während der Fahrt kann man das Angebot der Schaffner, die Kioske auf den Bahnhöfen (Zwischenstopps 20 min) sowie den Speisewagen im Zug nutzen. Nicht sehr üppig, wenn man mehrere Tage unterwegs ist. Heißes Wasser vom Samowar gibt es aber jederzeit!

Sauberkeit


Entgegen dem, was man aus deutschen Standardzügen gewohnt ist, waren die russischen Schlafwagenzüge absolut sauber und ordentlich. Der Transsib-Zug war nicht so brandneu wie der Paris-Moskau, aber dennoch erst wenige Jahre alt. Innen zwar in traditionellem beige gehalten, aber ohne jede Abnutzungserscheinung.

Entertainment


Ist man mehrere Tage am Stück mit der Transsib unterwegs, kommt (besonders allein) schnell Langeweile auf. Aus dem Fenster sieht man leider die meiste Zeit doch nur Baum an Baum. Zudem verändert sich die Landschaft nur sehr langsam, die meiste Strecke sieht sie wenig exotisch aus. Zum Beine vertreten hat man bei Zwischenstopps ebenfalls nur um die 20 Minuten.

Man sollte also eher nicht mehr als zwei Tage am Stück fahren. Besser ist es dann, einen Zwischenhalt einzulegen und ein paar Tage zu bleiben, ehe man weiterfährt – dann sieht man wenigstens etwas von der Gegend. Wenigstens Irkutsk am Baikalsee sollte man sich nicht entgehen lassen!

Hotels in Irkutsk

Sicherheit im Transsib


Aus meiner Erfahrung heraus kann ich bezüglich Diebstahl etc. nur Entwarnung geben. Fakt ist, dass niemand fremdes an Bord des Zuges kommt. Beim Halt steht an jeder Tür ein Schaffner. Die anderen Fahrgäste machen auch nicht den Eindruck, jemandem ein Haar krümmen zu können. Insbesondere mit meinen Abteilgenossen bin ich blendend ausgekommen. Diese haben aller paar Tage gewechselt, da keiner die komplette Strecke gefahren ist, aber alle waren überaus herzlich und haben auch keine Gelegenheit ausgelassen, mir Essen anzubieten. Leider war es aufgrund meiner sehr begrenzten Russischkenntnisse schwierig, sich mit ihnen zu unterhalten, trotzdem war der Wunsch von beiden Seiten auf jeden Fall da. Dafür war es umso einfacher, mit den Kindern zu spielen.

Transsibirische Eisenbahn

 

Urlaubsliebhaber-Fazit

Die Transsibirische Eisenbahn bietet eine wunderbare Gelegenheit, für verhältnismäßig wenig Geld viel von der Welt zu sehen und neue Menschen kennenzulernen. Man kann die Reise flexibel planen und an unterschiedlichen Stationen Halt machen. Und wer nicht die ganze Zeit durch Russland fahren will, nimmt hinter Irkutsk einfach die Route nach Peking. Für Urlaubsliebhaber ist die Transsibirische Eisenbahn ein fantastisches Erlebnis!

 

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